Wie ein Altenheim zur „Backpackers Villa“ wurde

sanft-mobil ankommen und Natur pur erleben

Aus alt mach neu: Der Schweizer David Bühler hat schon früh verstanden, dass die jungen Gäste die Zukunft von morgen bilden. Daher begrüßt er sie seit über 20 Jahren in der Backpackers Villa in Interlaken. Und weiß, was derzeit „in“ ist: Das reine Naturerlebnis an sich.

Ein alter Spruch besagt: „Der Glaube kann Berge versetzen.“ Manchen Menschen mag diese Lebensweisheit nicht viel bedeuten, andere wiederum haben gelernt, auf ihre innere, feinsinnige Stimme bewusst zu hören und danach zu leben. David Bühler ist einer davon. Als gelernter Schreiner wusste er bald, dass ihn dieser Beruf nicht in der Form ausfüllen konnte, wie es bei seinem Vater der Fall war. In dessen Fußstapfen treten und den Betrieb übernehmen? Nein, David entschied sich dagegen: „Ich war auf der Suche nach dem einen Sinn für mich und mein Leben. Ich wollte etwas, das mich weiterbringt.“ Der Traum vom eigenen Hotel, der schlummerte schon länger in ihm und eines Tages sagte seine damalige Partnerin, nunmehr Frau, kurzerhand zu ihm: „Dann versuch es und bewirb dich.“ Gesagt, getan. David ergatterte in Graubünden eine Stelle als Rezeptionist in einem noblen Hotel. Ohne jegliche Vorerfahrung, dafür mit einer Riesenportion Engagement und Motivation. Was überzeugte. Der Weg führte in die richtige Richtung, am Ziel sah sich David aber noch nicht. „Ich stand jeden Morgen gerne auf und hatte große Freude an meiner Arbeit, jedoch wollte ich vermehrt mit jüngeren Leuten zusammenarbeiten, da ich selbst als Jugendlicher und junger Mann verschiedenste Jugendprogramme organisiert und geleitet habe.“

Von Graubünden nach Interlaken 

Man darf es wohl getrost als „Geschenk des Himmels“ bezeichnen, dass im Jahr 1998 der Betreiber eines Altenwohnheims in Interlaken an David herantrat um ihn zu fragen, ob er es sich vorstellen könnte, daraus eine Jugendherberge zu entwickeln. Er und seine frisch verheiratete Frau zögerten keine Sekunde, erstellten Projekte, Pläne, ein selbst konzipiertes Leitbild und bald darauf war die „Backpackers Villa“ geboren. Heute, 20 Jahre später, hat sich zwar an der Gästeschicht einiges verändert, jedoch nichts an Davids grundlegender Philosophie: Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden willst. „Ich bin überzeugt davon, dass das der richtige Ansatz ist. Nicht nur bei den Gästen, sondern ebenso bei den Angestellten, den Lieferanten und Mitbewerbern. Ich habe viel Zeit in den Ort und die Zusammenarbeit investiert und viel zurückbekommen, letztlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht.“ 

Warum die Gäste hier sind? „Schau doch einfach aus dem Fenster“

Auf die Frage, warum ein Urlaub in Interlaken damals wie heute viele Gäste anzieht, deutet David in Richtung Fenster: „Schau hinaus. Wir sind eingebettet in dieser einzigartigen Berglandschaft. Und es gibt keinen anderen Ort in den Alpen, wo du von Berlin oder Paris aus mit einer direkten Zugverbindung hinfahren kannst, dann aussteigst und einen Berg siehst, der über 4.000 Meter hoch in den Himmel ragt.“ Die Rede ist von der Jungfrau, mit ihren 4.158 Metern der dritthöchste Berg der Berner Alpen, seit 2001 UNESCO Weltnaturerbe. Gemeinsam mit Eiger und Mönch bildet sie die so markante wie berühmte Dreiergruppe, das Berner Dreigestirn. In Interlaken erlebt man einen sanft-mobilen Urlaub und Bahnerlebnisse am Fuße dieser stolzen Bergkette. 

Im Wandel der Gästeschichten 

Die Jungfrau, dieser weiße Schneeberg, er fasziniert die Einheimischen, er fasziniert die Gäste. Seit jeher, wie David weiß: „Vor 100 Jahren waren es die Engländer, die nach Interlaken strömten und sich auf Sänften die Berge hinauftragen ließen. Dann kamen die Amerikaner, heute sind es die Süd-Koreaner, die uns besuchen. Sie reisen quer durch Europa und wollen neben Paris und Venedig auch die Berge sehen.“ Wenn David seine Gäste am Frühstückstisch den Herkunftsländern zuordnet, kann er ablesen, wie sich die globale Wirtschaftslage aktuell entwickelt. Und ob Jung oder Alt, oder Altgeworden und mit den eigenen Kindern: Sie alle kommen wegen dem, was einfach dasteht: Die geschenkte Kulisse der Berge. „Die Menschen wollen die Natur erleben, sie ist unser Kapital, dafür müssen wir Sorge tragen“, ist David überzeugt. Als gläubiger Mensch, sagte kürzlich ein Pfarrer zu ihm: „Wir sind die Hausmeister der Schöpfung.“ Ein Bild das David gut gefällt: „Denn ein Hausmeister sorgt auch für eine gute Stimmung und nicht nur dafür, dass das WC funktioniert.“ 

Stolzes Bahnland Schweiz

Und ganz nebenbei liegt ihm sein Engagement, was die grüne Anreise nach Interlaken betrifft, sehr am Herzen: „Ich setze mich in Verkehrsfragen ein. Wir haben hier gut erschlossene Bergdörfer und Täler, super Verbindungen. Niemand, der zu uns kommt, benötigt ein eigenes Auto. Im Dezember 2012 waren wir die ersten, die auf unsere Initiative hin, mit dem ersten, durchgehenden Zug von Paris nach Interlaken fuhren.“ Das Bergdorf, verbunden mit den Großstädten Europas – ein grandioses Plus. Und die Schweiz ist als stolzes Bahnland weithin bekannt, die Zutaten stimmen. Denn im Grunde liegt die Bestimmung doch auch darin, was man letztlich selbst daraus macht: Und das war für David wohl immer schon so selbstverständlich, wie die frische Bergluft, die er jeden Morgen, wenn er die Haustür öffnet, einatmet. Mit Blick auf die Jungfrau, versteht sich. 

 

 

Backpackers-Villa Sonnenhof
Schneeschuhwanderung mit David Bühler
Bergwelt von Interlaken
Schneeschuhwanderung mit David Bühler