Stets "online" mit Gott

Zur Ruhe kommen im Kloster Disentis

 

Vigeli Monn ist seit 2012 der Abt des Benediktinerklosters Disentis. Ein Ort, an dem das Vermächtnis des Heiligen Benedikts täglich gelebt und zelebriert wird. Ein Rhythmus, der die Balance und den Ausgleich beinhaltet, den immer mehr Menschen so dringend benötigen und suchen. Hier werden sie fündig.

Die Regel für das Zusammenleben der Mönche, die der Heilige Benedikt von Nursia im süditalienischen Kloster Monte Cassino vor der Mitte des 6. Jahrhunderts verfasst hat, ist die älteste religiöse Lebensregel der lateinischen Kirche. Später mit der Kurzform „ora et labora" bedacht, hat sie die Vorstellungen vom mönchischen Leben durch das ganze Mittelalter hindurch geprägt und ist bis heute eine Grundregel der christlichen Spiritualität geblieben. Vigeli Monn, der Abt des Benediktinerklosters Disentis wusste schon mit 13 Jahren, dass er sein Leben in die Dienste Gottes stellen möchte. Nur neun Kilometer vom Benediktinerkloster entfernt ist er aufgewachsen und wurde vom damaligen Ortspfarrer wesentlich geprägt. Nachdem er das Abitur im Jahr 1985 erfolgreich bestanden hatte, war der Weg zunächst ungewiss: „Die Theologie war noch eine Option, es hätte aber auch die Medizin werden können."

Alle Wege führen nach Rom

An dieser Stelle kam dem Spruch „Alle Wege führen nach Rom" eine höhere Bedeutung zu. „Ich wollte mir mit der Wahl meines Studiums noch Zeit lassen und so zog es mich vorerst nach Rom, wo ich zwei Jahre lang in der Schweizer Garde diente." Die Weisheit, dass man in der Heiligen Stadt seinen Glauben entweder stärkt oder verliert, durfte er am eigenen Leib erfahren. „Ich wurde ganz schön durchgerüttelt, aber es war ein guter Weg und so fällte ich die Entscheidung, dass ich in ein Benediktinerkloster gehen möchte." Bestärkt kehrte er nach Hause zurück. Er studierte an der österreichischen Universität Salzburg Theologie, Religionspädagogik und Latein und wurde 1995 zum Priester geweiht. Im Benediktinerkloster Disentis war er fortan als Präfekt und Lehrer im Abteigymnasium tätig, bis er im Jahre 2012 zum Abt gewählt wurde. Das Kloster blickt auf eine tausendjährige Geschichte zurück: Der Franke Sigisbert kam einst im Umfeld der iroschottischen Wandermönche rheinaufwärts und errichtete in der unbewohnten Gegend der Desertina eine Einsiedelei. Der einheimische Räter Placidus unterstützte ihn. Daraus entstand um das Jahr 700 das Kloster Disentis. Heute kann man es getrost als „Bienenhaus" bezeichnen. „Neben Klosterkirche und Museum sind 1800 Schüler hier im Gymnasium gemeldet, 40 davon leben im Internat. Dazu kommen das Klausur- und Kulturzentrum sowie unser Betrieb als Seminarhotel. Wichtig ist uns das Mittelmaß. Ausgleich und Balance zeigen sich hier im geistlichen wie im persönlichen Leben. Alles mit Maß und Ziel." Damit deutet der Abt die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit an. „Davor können wir uns nicht verschließen. Natürlich brauchen wir die Medien und das Internet, aber auch unsere Ruhe. Wir nehmen uns bewusst die Zeit, und schauen nicht jede Minute auf das Smartphone. Schließlich sind wir ohnehin den ganzen Tag online und zwar mit Gott, da müssen wir nicht den ganzen Tag mit der Welt online sein, das geht nicht."

„Fachleute" für das Heilige

Genau diese Ruhe und Stille suchen die Gäste des Benediktinerklosters. Bestimmte Programme wie das „Kloster auf Zeit" gewähren Einblicke in das Leben hinter den Klostermauern, nehmen die Menschen mit auf eine Reise zu Gott und letztlich zu sich selbst. Aufgrund der Nachfrage erkennt Abt Vigeli Monn ein starkes Umdenken in der Gesellschaft: „Es ist wie eine neue Form des Reisens. Die Nachfrage steigt, viele nehmen sich bewusst aus dem Alltagsleben heraus und möchten herunterfahren. Zeit haben, Ruhe finden und Gespräche führen, die sich nicht immer nur um Geld und Karriere drehen. Vielmehr drehen sie sich um den Sinn des Lebens, um die momentane Situation und das verbunden mit einer Atmosphäre des Suchens und des Betens. Viele sehen in uns die Fachleute für das Heilige."

Strikte Abläufe

Der Tagesablauf der Benediktinermönche in Desentis folgt klaren Richtlinien: Der Tag beginnt und endet mit dem Gebet, dazwischen geht jeder seiner Arbeit nach, Frühstück, Mittag- und Abendessen werden stillschweigend eingenommen, Mediation und Rekreation werden genügend Raum gelassen. Eine Gemeinschaft, wie sie noch viele Jahre bestehen soll, wie es sich Abt Vigeli Monn wünscht: „Wir Benediktiner haben drei Gelübde, die sich von anderen Orden unterscheiden: Gehorsam gegenüber dem Abt, das klösterliche Leben und die Ortsbeständigkeit. Daher bete und hoffe ich inständig darum, dass es weiterhin gelingt, dass unsere Arbeit und unser Leben in dieser Form bestehen kann."

 

 

Benediktinerkloster Disentis
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Abt Vigeli Monn
Abteilung des Benediktinerklosters