Alte Tradition, junge Generation

Der 21jährige Lukas Schöbinger hat erst kürzlich seine Ausbildung zum Destillateur abgeschlossen und ist seitdem der neue Bergbrenner der Enzianbrennerei Grassl in unserer Perle Berchtesgaden.

Während es viele junge Menschen nach der Ausbildung hinaus in die Welt oder zumindest in die nächste große Stadt zieht, geht es für Lukas also hinauf in die Ruhe der heimischen Berge. Von Mai bis Oktober ist er für die fünf Brennhütten verantwortlich, von denen drei im Nationalpark Berchtesgaden liegen, zwei sind nur zu Fuß und über beschwerliche Wege zu erreichen. Oben wartet harte Arbeit auf den jungen Mann: Enzianwurzeln graben, zur Hütte tragen, waschen und mit einer speziellen Hacke zerkleinern, mit Hefe und frischem Quellwasser zur Maische ansetzen und nach der Gärung mit einem ersten Brand destillieren.  An anderen Tagen werden Wacholder und Kräuter zu Gin destilliert. Das Holz für den die kupfernen Brennkessel will gehackt, Dachschindeln repariert, die kleine Küche aufgeräumt werden.  Im kühlen Wasser des Brunnentrogs wartet eine Auswahl der guten Tropfen der Enzianbrennerei, denn bei Sonnenschein kommen bereits am Vormittag die ersten Wanderer vorbei und bitten um ein Stamperl. 

Vor 325 Jahren erhielt die Familie Grassl vom Berchtesgadener Fürstprobst das Recht, im Gebirge nach Enzian- und Meisterwurzeln zu graben und Wacholder zu brennen. Diese lange Tradition und die besondere Herausforderung sind es, was Lukas dem Stadttrubel und verlockend scheinenden Annehmlichkeiten vorzieht.